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Mehr Anerkennung kostet mehr Geld

Der internationale Tag der Pflegenden, der gestern begangen wurde, fällt mitten in die größte Gesundheitskrise der Nachkriegszeit. Pflegefachkräfte werden in höchsten Tönen gelobt, auf Balkonen wird für sie applaudiert. Doch das alles wird nicht reichen. Sie müssen einfach besser bezahlt werden.

Vor genau einem Jahr erschien an gleicher Stelle der Artikel "Tag der Pflegenden: Viele warme Worte". Anlässlich des internationalen Jahrestags wurde gesagt, die Pflege bedürfe einer Aufwertung, es müsse besser bezahlt werden usw. Auch in diesem Jahr finden sich viele lobende und anerkennende Worte für diejenigen, die sich täglich um die Versorgung älterer und erkrankter Menschen kümmern, damit ihr Alltag lebenswert und würdig gestaltet werden kann. Und doch ist dieses Jahr einiges anders: Die Corona-Krise führt allen Menschen vor Augen, dass im Gesundheits- und Pflegebereich in den letzten Jahrzehnten einiges schiefgelaufen ist. Auch die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände, die in ihrer Doppelrolle als (schlecht zahlende) Arbeitgeber, aber gleichzeitig lautstarke Interessenvertreter für sozial Benachteiligte oftmals keine gute Figur abgegeben haben, man denke an die Skandale der letzten Jahre, geben sich bescheiden. 

"Die Erfahrungen mit der Krise müssen zu einem Umdenken führen, was für unsere Zukunft wirklich wichtig ist", sagt zum Beispiel der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie bringt auf den Punkt, was sich viele Politiker*innen in den letzten Jahren nicht mehr zu sagen getraut haben: "Einmalige Zahlungen wie eine steuerfreie Prämie sind ein wichtiges Signal, aber das reicht auf Dauer nicht. Die Sozialsysteme müssen mit mehr Geld ausgestattet werden."

Politik muss die Weichen für bessere Bezahlung stellen

Klar ist, dass mehr Anerkennung auch mehr Geld kostet. Das ist natürlich seit langem bekannt, doch wurde das Thema von politisch Verantwortlichen gerne verdrängt. Begründung: Mehr Geld im System bedeutet höhere Sozialabgaben für Arbeitgeber, was wiederum der Wirtschaft schadet. Nun, wo man auf den Fleiß und die Hingabe der Menschen angwiesen ist, die man jahrelang mit mickrigen Löhnen abgespeist hat, stehen jene politischen Kräfte blamiert da, die sich seit Jahren gegen fairere Bedingungen in Gesundheit und Pflege gestellt haben und wettbewerbliche Prinzipien selbst in den Bereichen der Gesellschaft bejubelt haben, in denen es täglich um Leben und Tod geht.

Ulrich Lilie kommt daher zu dem Schluss: "Klatschen ist gut, ein zukunftsfähiger Umbau der Pflegeversicherung ist besser. Diese Alltagsheldinnen, die sich mit großem Aufwand um unsere Schwachen und Alten kümmern, müssen jetzt auf Dauer mehr bekommen", sagt der Diakonie- Präsident. Man habe "in einem neuen Maß gelernt, Respekt füreinander zu zeigen", ein Satz, aus dem sich durchaus Selbstkritisches herauslesen lässt. Entscheidend wird allerdings sein, ob die aktuell von allen Seiten geforderte Aufwertung tatsächlich kommt. Die in Aussicht gestellten Einmalzahlungen für die Pflegenden sind immerhin ein guter Anfang, der zeigen soll, dass die Politik es ernst meint. Doch folgt hieraus keine dauerhafte Besserstellung, wird dies zu weiteren gesellschaftlichen Verwerfungen führen. Denn klar ist auch, hierauf weist Diakonie -Präsident Lilie hin, dass die Gesellschaft vor einer "sozialen Jahrhundertaufgabe" stehe, wenn man neben der aktuellen Krisensituation die ohnehin katastrophale Fachkräftesituation in Gesundheit und Pflege berücksichtige.

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Wolfgang Frindte, Daniel Geschke: Lehrbuch Kommunikationspsychologie. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. 504 Seiten. ISBN 978-3-7799-3862-0.
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